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Saturday, 21. March 2009


'matz ab', zur grossen geschichte des wiener matzleinsdorferplatzes


“Die Arbeit der Geschichtswerkstätten glich über die Jahre [...] einer erweiterten Heimatgeschichtsschreibung. Anfänglich sahen sich viele zwar einer so genannten mikrologischen Methode verpflichtet – also im Besonderen das Allgemeine zu erblicken, wie dies zum Beispiel auch ein Walter Benjamin in seiner Geschichtstheorie propagiert – jedoch investierte mensch gleichzeitig in eine krude Theoriebildung, in der eine (Wieder)entdeckung von Heimat als emanzipativ phantasiert wurde. Eine Problematisierung »des Eigenen«, von Einheiten, Gemeinschaften, vor allem in Bezug zur NS-Vergangenheit und dem politischen Umgang mit Shoa und Massenmord, erfolgte nicht oder nur in sehr harmloser Art und Weise. Der Kosmos Heimat duldet keine Konflikte, er ist sauber, befreit von Politik, allzeit verantwortungslos. Dies verdeutlicht nicht zuletzt die bis heute beliebte und komplett unreflektierte Bemühung des deutschen Wortes »Lebensraum«, im Kontext von Stadtpolitiken oder Bürgerpartizipation. [...] Die Geschichtsbaustelle würde hingegen sagen: Baue mist! Oder um die ganze Sache produktiv zu wenden: Baue, wo du stehst! Denn Geschichte wird nicht ausgegraben, sie liegt nicht wie ein nationaler, regionaler oder sonst wie gearteter Schatz im Wurzelwerk der Erde begraben. Geschichte wird gemacht, sie wird geschrieben und ist einem ständigen Prozess der politischen Verhandlung unterzogen. In diesen gilt es einzugreifen. [...] Die Geschichtsbaustelle ist keine Kunst im öffentlichen Raum oder Interesse. Sie kann nur in einem kollektiven – möglichst autonomen – politischen Prozess stattfinden; alles andere wäre Blödsinn, Kunstwerte zu produzieren würde den antikapitalistischen Versuch ad absurdum führen. Es geht nicht darum, Geschichtsbaustellen als mühsam genehmigte Kunstaktionen zu betreiben. Allerdings mögen die Kanäle der Kunstförderung angezapft werden. Für Baumaterial, für Arbeitsmaterial, für Gerätschaften und Maschinen. Zur Schaffung von Materiallager. Für eine kontinuierliche politische Arbeit.”
(Tomash Schoiswohl, “Baue, wo du stehst! Von der Geschichtswerkstatt zur Geschichtsbaustelle.” in “INTERSECTIONS. At the Crossroads of the Production of Knowledge, Precarity, Subjugation and the Reconstruction of History, Display and De-linking”, Hrsg. Dokuzović et al., Wien 2009, 267–280)



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